Reisebericht aus dem Gazastreifen

Offenes Wohnzimmer 16.12.21

esg-ffm

Wenn im April klar ist, dass nach vier Jahren Sprachkurs und Studium endlich mal richtig lange Semesterferien anstehen, dann liegt es nahe, sich ein Flugticket zu kaufen, um die Familie zu besuchen. So machte es auch Omar. Für 450 Euro, Frankfurt-Kairo und zurück. ...

Doch dann war am Abflugtag der Grenzübergang zwischen Ägypten und dem Gazastreifen in Rafah geschlossen. Palästinenser aus dem Gazastreifen haben kein Aufenthaltsrecht in Ägypten und dürfen nur durchreisen. Also musste er das Flugticket verfallen lassen und sich bei Freunden informieren, wie bzw. wo man kurzfristig Flugtickets günstig kauft und dann spontan abreisen. Der Rückweg war noch komplizierter, da nur eine bestimmte Anzahl an Leuten, deren Namen auf Listen stehen müssen, ausreisen dürfen. Omar verabschiedete sich also von seiner Familie in Beit Hanoun ließ sich von Freunden und Bruder zum Grenzübergang fahren, kam nicht auf die Liste und kehrte wieder um. Beim dritten Versuch gelang es ihm mit entsprechend Geld auf die Liste zu kommen. Dann wieder schnell ein Flugticket kaufen und von Kairo zurückfliegen. Denn im Wintersemester sollte das Zahnmedizinstudium in Frankfurt weitergehen.
Und das war nur ein Teil der Geschichte einer komplizierten Zwischenheimreise in den Gazastreifen. Googelmaps berechnet 5h 13 Minuten für die Fahrt von Kairo über den Suezkanal und den Sinai nach Rafah. Doch Omar benötigte zwei Tage mit Zwischenstopps an Checkpoints, weil die Sicherheitslage durch den IS im Sinai angespannt sei.
Dass es mal einen Flughafen im Gazastreifen gab, der aber längst zerstört ist, rief uns Omar in Erinnerung. 

Das Offene Wohnzimmer findet jeweils am letzten Donnerstag im Monat 18-20 Uhr statt.
Es wird diskutiert und gemeinsam gegessen.

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