Evangelische Kirche wirbt für Verständnis und Respekt zwischen Religionen

Multikulturelles Konzerterlebnis in Gießen

DekanatKonzert für Toleranz am 24.2. in Gießen

Mit einem multikulturellen Konzertabend am Sonntag, 24. Februar, 17 Uhr, in der Petruskirche will das Evangelische Dekanat Gießen für Verständnis, Toleranz und Respekt zwischen den Religionen und Kulturen werben.

HartmannMarina Sagorski, Kantorin an der Petruskirche Gießen und Propsteikantorin Oberhessen

Während des dreistündigen Programms werden zunächst Chor- und Orgelwerke von Komponisten aus dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart präsentiert, die „mit ihrer Musik die Grenzen ihrer Konfession überschritten haben“, erläutert Kantorin Marina Sagorski das Programm.  

Anschließend interpretiere der Interreligiöse Chor Frankfurt Kompositionen aus dem Judentum, dem Christentum sowie des Islam. Schließlich trete der aus Syrien geflüchtete Pianist Aeham Ahmad auf. International bekannt wurde er durch sein Klavierspiel in den Trümmern des Palästinenserlagers in einem Vorort von Damaskus. Als IS-Dschihadisten sein Klavier verbrannten und ihn bedrohten, floh er 2015 über das Mittelmeer und die Balkanroute nach Deutschland.

Der Eintritt zum dreistündigen Konzertprogramm in der Petruskirche, Wartweg 9, ist frei. In den Pausen zwischen den drei Konzerten lädt das Dekanat zu Snacks und Getränken ein. Mitveranstalter sind die Christlich-Islamische Gesellschaft Gießen und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenaarbeit Gießen-Wetzlar

Gefühl der Zusammengehörigkeit der Kulturen

„Nach den ausländerfeindlichen Ausschreitungen im Herbst 2018 in Chemnitz wollte ich ein Konzertprogramm zusammenstellen, das ein Gefühl der Zusammengehörigkeit der Kulturen schafft, den Blick auf den gemeinsamen Ursprung der Religionen lenkt und die Zuhörer darüber zum Nachdenken bringt“, sagt die Petrus-Kantorin Marina Sagorski. Die Frage, wie Kulturen zusammenkommen, ist für die in Usbekistan geborene und in der Ukraine sowie Russland aufgewachsene und ausgebildete Musikerin, Leitfrage ihres persönlichen wie künstlerischen Lebens.

Sagorski wird mit der Petruskantorei Gießen Psalmen für Chor und Orgel des jüdischen Komponisten Louis Lewandowski aufführen, der im 19. Jahrhundert in einer liberalen jüdischen Gemeinde in Berlin die Orgelmusik integriert habe. Außerdem stelle sie Werke des Bach-Schülers und Dresdener Kreuzkantors Gottfried August Homilius vor, der Griechische Motetten komponiert habe. Neben einer Orgel-Komposition des früheren Petrus-Kantors Herfried Mencke spiele sie auch Werke der aus Aserbeidschan stammenden Komponistin Khadija Zeynalova (*1975) vor. In deren Werken seien östliche wie westliche Klänge zu erleben.

Konzert mit dem aus Syrien geflohenen Pianisten Aeham Ahmad

Im zweiten Teil des Konzertabends, um 18 Uhr, so Sagorski, wird der 2012 gegründete Interreligiöse Chor Frankfurt Psalmen aus der jüdischen und christlichen Tradition intepretieren und sie in einen musikalischen Bezug zum Koran setzen. Die Chorleitung liegt in den Händen der Offenbacher evangelischen Dekanatskantorin Bettina Strübel und des Kantors des Egalitären Minjan der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Daniel Kempin.

Im dritten Konzert ab 19 Uhr spielt der heute in Wiesbaden lebende und in ganz Europa konzertierende Pianist Aeham Ahmad. Der Schauspieler des Gießener Stadttheaters Roman Kurtz liest aus dem Buch „Und die Vögel werden singen“, in dem A. Ahmad  die traumatischen Erinnerungen aus dem Krieg in Syrien verarbeitet hat. Der 1988 in Syrien geborene und im Palästinenserlager Yarmouk aufgewachsene Künstler erhielt mit sieben Jahren Klavierunterricht am Arabischen Institut in Damaskus, studierte Musikpädagogik und arbeitete als Musiklehrer. Im Dezember 2015 wurde Ahmad mit dem Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte ausgezeichnet.

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