mit Vielen „Gemeinsam gegen Rassismus“ unterwegs

Gemeinsam gegen Rassismus - für Gleichheit in der Vielfalt

© esg Darmstadt

Wer die Bilder der Ermordung von George Floyd gesehen hat, wird sie lange in sich tragen. Da erdrosselt ein weißer Polizist in Amerika in aller Öffentlichkeit einen schwarzen Mann mit dem Gefühl, ein besserer Mensch und im Recht zu sein. Dies zu sehen macht sehr betroffen, traurig und wütend. Es gibt viele Gründe, gegen Rassismus zu sein oder, wie es Bundespräsident Steinmeier fordert, Antirassist. Allein schon Mitgefühl oder politisch demokratische Überzeugung lassen keinen Rassismus zu. Unser Grundgesetz betont die Gleichbehandlung aller Menschen.

Auch aus christlicher Perspektive heraus sind alle Menschen, trotz ihrer Unterschiedlichkeit, gleich wertvoll. Das betont die Bibel auf vielfältige Weise. Alle Menschen sind gleichwertige Geschöpfe Gottes (1. Mose 1,27). Jesu lehrt seine Jünger*innen, dass das Gebot der Nächstenliebe (Lukas 10, 27) das höchste zu befolgende Gebot ist. Das bedeutet, dass wir Menschen uns in Liebe und Wertschätzung begegnen sollen. Abwertung, Geringschätzung oder gar Hass haben da keine Chance. Jesus erzählt auch die Geschichte des barmherzigen Samariters, die zeigt, dass wir Menschen die Aufgabe haben, einander zu helfen, auch wenn der/die Andere uns fremd ist oder einer anderen Religion angehört. Letztlich fordert uns Jesus sogar dazu auf, Feinden in Liebe zu begegnen; sicher nicht einfach. Dieser Impuls soll dazu beitragen, den Kreislauf von Geringschätzung, Hass und Gewalt zu durchbrechen und zu wandeln. Das christliche Denken und Handeln ist nach biblischem Verständnis von seinem Kern, seiner Essenz her antirassistisch. Geringschätzung ist ihm fremd.

Der Mord an George Floyd ist eine besonders drastische rassistische Tat, die zu Recht die Weltgesellschaft aufrüttelt und es ist zu hoffen, dass sie zu Veränderungen, hin zu einer gerechteren Welt, führen wird. Aber Rassismus hat viele Seiten. Wir alle sind in der Regel nicht frei davon. Es ist Zeit, dass wir Alle uns diesem Problem zuwenden. Es gibt den Alltagsrassismus, z.B. in der Sprache (den Negerkuss und die getürkten Sachen), es gibt den nicht böse gemeinten, nicht intendierten Rassismus (Wo ist deine Heimat? Sagt man Schwarze oder Farbige? Kann man noch 3. Welt sagen oder sagt man globaler Süden?). Es gibt unbedachte oder abschätzig gemeinte „Stammtischwitze" über Ausländer und offenen Rassismus („mit deinem Kopftuch gehörst du hier nicht her, hau ab“). Es gibt zunehmend Gewalt gegen ausländisch aussehende Mitmenschen, und es hat in letzter Zeit in Deutschland rassistische Terroranschläge gegeben (NSU, Halle, Hanau). Eine besondere Form des Rassismus  ist die nicht zu begründende Feindlichkeit gegenüber Juden. Wir Christen und wir Deutsche stehen hier zusätzlich in der Verantwortung.

Angst und Vorsicht vor Fremden und vor Unbekanntem ist menschlich. Angst vor Terror, sozialer Konkurrenz (günstige Wohnung, Arbeitsplatz) nachvollziehbar. Der Sozialstaat ist hier in der Pflicht, für alle zu sorgen, damit Ängste vor Verdrängung keinen Nährboden haben. Wir sollten nicht müde werden, konstruktiv über Einwanderung und über Fluchtursachen zu diskutieren. Damit die spalterischen Redner*innen keinen Nährboden haben, die in erste Linie an ihrer eigenen Macht interessiert sind und deshalb Unwahrheiten und Feindbilder in die Welt setzen und  populistisches, rassistisches Vokabular benutzen, um Angst und Hass hervorrufen. Die Grenze dessen, was rassistisch öffentlich gesagt werden kann, steht in der Gefahr sich zum Negativen hin zu verschieben („ … zugewanderte Straftäter, Messermänner, Kopftuchmädchen und sonstige Taugenichtse ..." Dr. Alice Weigel, im Bundestag,  AfD) – Bundestagspräsident  Schäuble ruft sie daraufhin wegen diskriminierender Äußerung zur  Ordnung.

Umso wichtiger ist es, dass wir diesem Reden und Denken entgegen treten und den fremden Menschen bewusst begegnen, eigene Erfahrungen machen, sie kennen lernen. Menschen aus anderen Ländern, anderen Kulturen, mit anderem Aussehen, mit anderen Bräuchen, mit anderem Glauben. Ihnen wiederum auch unsere Kultur und Lebensweisen verständlich machen. Wir müssen uns gegenseitig kennenlernen, um Vorurteile abzubauen und um Hintergründe zu verstehen. Dieser multikulturelle Bildungsweg ist zu gehen, damit ein friedliches und sozial gerechtes Miteinander gelingen kann. Wir sollten stolz sein, auf eine offene, prosperierende Gesellschaft in der Vielfalt. 

In der Evangelischen Studierendengemeinde machen wir jedes Semester wieder neu die Erfahrung, wie bereichernd das Zusammenkommen mit Studierenden aus aller Welt ist. Wir lernen voneinander und feiern das Leben in seiner Vielfalt. Wir leben gerne in Deutschland und sind von der Frieden- und Liebe zusprechenden Kraft des christlichen Glaubens überzeugt, gerade deshalb heißen wir alle Menschen in unserem Haus herzlich willkommen. Wer mitmacht, macht die Erfahrung, dass mögliche Vorsicht sich schnell in Neugierde wandeln kann. 

Deshalb sind wir mit Vielen „Gemeinsam gegen Rassismus" unterwegs, rufen dazu auf, sich die unterschiedlichen Ebenen von Rassismus bewusst zu machen und ihm entgegen zu treten. 

Manchmal ist auch Zivilcourage gefordert. Wir sind engagiert dafür und freuen uns auf ein Leben „in Gleichheit in der Vielfalt"

 Martin Benn (Pfarrer der Evangelischen Hochschulgemeinde Darmstadt)

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top