Aufruf zum TV-Boykott

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© Nicole Schneider

WM in Katar nein danke - Aufruf zum TV-Boykott Viele von uns sind Fußballfans und freuen sich alle vier Jahre auf die Fußball WM. Wir auch. Aber dieses Mal werden wir sie nicht ansehen! Als Evangelische Studierendengemeinde rufen wir zum TV-Boykott und zum Boykott der Werbepartner der WM auf. Dafür gibt es viele Gründe:

 

Warum ein TV-Boykott

A. Die FIFA, der Welt Fußballverband ist zu einem Konzern mutiert, der die Vermarktung von Fußball nur noch als Warengeschäft ansieht. Ohne Rücksicht auf traditionelle Fußballkultur, die Fußballer*innen, die Fans, die Umwelt und den in ihren eigenen Statuten verankerten Werten (wie z.B. die Einhaltung von Menschenrechten, das festgeschriebene Stattfinden der WM im Sommer, das Vorhandensein einer Frauennationalmannschaft - wurde in Katar vor Vergabe gegründet, nach dem Zuschlag wieder abgeschafft), erscheint die maximale Gewinnerzielung die Maxime aller Entscheidungen zu sein. Einen Zuschlag zur Ausrichtung einer WM zu bekommen, ist wohl ohne Korruption nicht mehr möglich. Schon die Vergabe der WM nach Deutschland („unser Sommermärchen“) geschah wohl nur, indem Wahlentscheidern Geld zufloss. Ähnlich war es wahrscheinlich bei den Vergaben der folgenden Weltmeisterschaften nach Süd Afrika, Brasilien, Russland, Katar. Nach der Vergabe an Katar, als diese wegen der hohen Temperaturen im Sommer nochmal in Frage stand, wurden hohe Werbe- und Übertragungsverträge mit Europäischen Fußballligen (England, Italien, Spanien, Deutschland) und einzelnen Vereinen abgeschlossen (Paris, Bayer München), um bei Entscheidungsträgern für die Winter WM zu werben. Sepp Blatter, bei der WM Vergabe an Katar Präsident der FIFA, sagt heute, er halte nun die Vergabe an Katar für einen Fehler. 

B. 1.Katar ist ein von einer Herrscherfamilie autokratisch geführtes Land. Meinungsfreiheit gibt es nicht. Die Rechte von Frauen sind sehr eingeschränkt. 

2. Homosexualität ist in Katar verboten und steht laut Gesetz unter Strafe. Schon bei dem Versuch von Homosexuellen oder Queeren Fans, Hotels zu buchen, wurden sie abgewiesen oder die Buchung erschwert. Ein offizieller Botschafter des WM Organisationskomitees, spricht in einer neuesten ZDF Dokumentation (Geheimsache Katar) davon, dass Schwulsein nach dem islamischen Gesetz „haram“ also Sünde sei, weil ihm ein „damage in the mind“ - ein geistiger Schaden zu Grunde liegt. Eine erschreckende, menschenverachtende, demaskierende  Aussage.         

3. Die Arbeitsbedingungen, unter denen die WM Stadien errichtet wurden, waren für viele ausländische Arbeiter katastrophal. Lange Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden täglich bei großer Hitze, ungenügende Arbeitssicherheit auf den Baustellen, geringe Löhne, die z.T. noch vorenthalten wurden, schlimmste Wohnverhältnisse. Nach verschiedenen Berichten unterschiedlichster Quellen (u.a. Human Rights Watch) sind viele Hundert, wahrscheinlich einige Tausend Arbeiter dabei ums Leben gekommen. Nur wenigen Familien bekamen eine Entschädigung.

4. Die WM ist alles andere als nachhaltig. Riesige Stadien und eine gigantische Infrastruktur wurden nur für die WM gebaut und werden während der WM mit hohem Energieeinsatz klimatisiert. 
Die Stadien und die Infrastruktur finden nach der WM kaum noch Verwendung. Für viele WM-Touristen gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit in Katar. Sie übernachten beispielsweise in Saudi Arabien und fliegen zu jedem Spiel extra nach Katar ein.

5. Das Land Katar hat die mit Abstand ungeeignetste Bewerbung für die WM 2022 abgegeben. Die klimatischen Bedingungen sind im Sommer bei 50 Grad für Spitzensport denkbar ungeeignet. Deshalb wurde die WM nachträglich in den Winter verschoben, was das Problem nicht wirklich löst.

6. Es gibt in Katar, auch während der WM, keine Medienfreiheit.

Wir, die Evangelische Studierendengemeinde Darmstadt, sind eine internationale Gemeinde. Studierende aller Länder, mit unterschiedlichsten kulturellen, religiösen Hintergründen und persönlichen Neigungen sind bei uns willkommen. Wir respektieren alle Menschen und die Kultur aller Länder. Auch die Menschen und die Kultur Katars. Aber wir teilen viele Werte, die in Katar gelten, nicht. Das korrupte allein auf Profitmaximierung ausgerichtete System der FIFA lehnen wir ab. Deshalb möchten wir das Land Katar und die FIFA nicht durch unsere Einschaltquote, die die Akzeptanz der Werte Katars und des FIFA Systems signalisieren würde, unterstützen. Menschenrechte, Demokratie als Staatsform, die Gleichheit aller Menschen, Unabhängigkeit von Justiz, Polizeigewalt und die Pressefreiheit sind für uns nicht verhandelbar. Unser christlicher Glaube, in dessen Anthropologie soziale Gerechtigkeit und die Gleichheit aller Menschen im Mittelpunkt stehen, motiviert uns, Ungerechtigkeiten und Missstände anzusprechen und gegen sie aktiv zu werden.                                                                                                                                           

Deshalb rufen wir alle Menschen in Deutschland, im Besonderen die Studierenden Darmstadts dazu auf, die WM nicht im TV zu verfolgen. Sinnvoll erscheint es auch, Waren von Werbepartnern und Sponsoren der WM (z.B. von REWE, Magenta TV; Adidas, Coca Cola, Vivo, Budweiser, Mc Donald´s, Hyundai, Wanda Group,  … ) nicht zu kaufen. Damit spürbar wird, dass es sich für Firmen nicht lohnt, mit Ländern oder Organisationen zu kooperieren, die die Menschenrechte missachten. Bei Kooperation eher mit einem Imageschaden als mit einem Imagegewinn zu rechnen ist.

Kathrin Schreivogl (Referentin für Internationale Arbeit)  und Martin Benn (Pfarrer)

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